Gedanken zur Weihnachtsgeschichte

Josef muss geschockt gewesen sein. Maria, seine Verlobte, war schwanger, und Josef wusste genau: Er konnte es nicht gewesen sein! Aber wer dann? War Maria ihm untreu geworden? Oder, noch schlimmer: War sie …? – Josef mochte den Gedanken kaum zu Ende denken, dass jemand ihr womöglich etwas Schlimmes angetan hatte.

Ich glaube, wir können uns gut in die seelischen Qualen hineinversetzen, die Josef nach dieser Nachricht durchgemacht haben muss. Der Traum von einer gemeinsamen Zukunft mit der Frau, die er liebte, hatte sich in einen Albtraum verwandelt. Ihm muss es so vorgekommen sein, als hätte ihm jemand den Boden unter den Füßen weggezogen.

Josef musste handeln, und zwar schnell. Er entschied sich, die Verlobung ohne großes Aufhebens zu lösen. Ohne Aufhebens deswegen, weil er Maria die öffentliche Schande ersparen wollte, wegen Untreue an den Pranger gestellt zu werden. Maria konnte dann nach der Auflösung der Verlobung den Mann heiraten, von dem sie das Kind erwartete. Josef war ein rechtschaffener und guter Mensch – bis hin zur Selbstverleugnung.

Doch dann kam alles ganz anders! Ein Engel erschien Josef im Traum, ein Bote Gottes, und der teilte ihm mit, dass er seine Verlobte zu sich nehmen soll. Sie war ihm nicht untreu gewesen, sondern es war der Geist Gottes gewesen, der das Kind in ihrem Leib gezeugt hatte!

Auch Josef wusste, wie Kinder normalerweise entstehen, und das hier war nicht normal; es war ein Wunder! Aber warum auch nicht? – Die Geschichte seines Volkes, des Volkes Israel, war voll von Wundern, die Gott getan hatte. Und als gläubiger Jude hatte Josef keinen Zweifel, dass diese Wunder wirklich passiert waren.

Josef gehorchte der Stimme des Engels. Nachdem er vom Schlaf erwacht war, holte er seine Verlobte Maria zu sich nach Hause; damit war die Eheschließung offiziell vollzogen. Aus Respekt vor den außergewöhnlichen Umständen der Zeugung rührte Josef seine Frau nicht an, bis das Kind, ein Sohn, geboren war.

Der Engel hatte Josef sogar mitgeteilt, welchen Namen er dem Kind geben soll: Jesus. Und dieser Name war Programm, denn „Jesus“ bedeutet etwa soviel wie: „Gott ist Rettung!“ Das heißt, in diesem Menschen Jesus ist Gott selbst gegenwärtig. Er bietet Rettung an: Rettung von Sünde und Schuld, und ein neues Leben aus der Vergebung. – Das Leben vieler Menschen ist durch Jesus gerettet worden, einschließlich mein eigenes. Das ist auch ein Wunder!

Liebe Leserinnen und Leser, den Originalbericht über Josefs Traum finden Sie in der Bibel im Matthäusevangelium, Kapitel 1, Verse 18-25. Der Teil der Weihnachtsgeschichte, der als der klassische gilt („Es begab sich aber zu der Zeit …“) steht im Lukasevangelium, Kapitel 2. Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit – eine Zeit voller Liebe und Vergebung!

Ihr Pfarrer Marcus David

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